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Karl Meyer zeichnet Frank Ewerling mit der Rettungsmedaille des Landes aus

„Habe alles ausgeblendet“

Twistringen - Von Ulf KaackEine solche Auszeichnung habe er bislang noch nicht verliehen, erwähnte Bürgermeister Karl Meyer am Rande, als er am Sonnabend die Rettungsmedaille des Landes Niedersachsen in einer schlichten, mit rotem Samt ausgeschlagenen Schatulle an Frank Ewerling überreichte.

Die ganze Familie Ewerling ist bei der Auszeichnung im Rathaus dabei. Karl Meyer (M.) und Bernhard Kunst (r.) gratulieren. ·

© Foto: Kaack

Die ganze Familie Ewerling ist bei der Auszeichnung im Rathaus dabei. Karl Meyer (M.) und Bernhard Kunst (r.) gratulieren. ·

Im Herbst vergangenen Jahres hatte der 41-Jährige aus Abbenhausen bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn selbstlos und unter Einsatz des eigenen Lebens wirkungsvolle Hilfe geleistet, wir berichteten bereits. 51 Fahrzeuge kollidierten damals – drei Menschen starben, über hundert wurden zum Teil schwerstverletzt.

18. November 2011, A 31 zwischen Heek und Gronau: Frank Ewerling steuert seinen Mercedes 320 CDI Richtung niederländische Grenze, will dort seine Frau Ursula abholen. Mit im Wagen sitzen seine Tochter Marie (3) und der siebenjährige Sohn Lukas, außerdem seine Mutter Liliane. Es ist bereits dunkel, immer wieder durchfährt der Wagen für einen kurzen Moment Nebelschleier. Es ist 19 Uhr, als einer dieser Nebelschleier nicht mehr aufreißt.

„Wir waren mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs, als die Sicht schlagartig auf Null ging“, erinnert sich der Twistringer. „Ich konnte die Bremslichter der Autos vor mir mehr erahnen als sehen, steuerte instinktiv scharf bremsend auf die Mitte der Fahrbahn zu. Da begann es zu krachen, die Hölle brach los.“

Was dann geschah, bezeichnet Ewerling als ein rational nicht mehr fassbares Horrorszenario: Zusammen mit seiner Mutter zog er die Kinder aus dem Mercedes, sie mussten dabei neben dem Fahrzeug herlaufen, weil es von den von hinten einschlagenden Fahrzeugen nach vorne gedrückt wurde. Der einzig richtige Weg war die Flucht nach vorne, die Kinder wurden hinter die Spitze der Karambolage gebracht.

 

„Es knallte im Sekundentakt, doch das Geräusch wurde wegen der zunehmenden Entfernung zusehends leiser, die Schlange der Autowracks wuchs und wuchs“, erinnert sich Mutter Liliane (61). „Trümmerteile und Glassplitter flogen um uns herum und über unsere Köpfe. Mein Sohn sagte, er wolle zurückgehen, um zu helfen. Mein Versuch, ihn aufzuhalten war vergeblich. Er ging einfach.“

Laut brüllend trieb er die teilweise unter Schock stehenden Menschen aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich. In dem Trümmerfeld aus eingekeilten Autos suchte er nach Verletzten, ständig in der Gefahr, selbst von der Blechlawine zerquetscht zu werden. Zwei ältere Menschen befreite er aus ihrem Auto, brachte mehrere Kinder aus dem Gefahrenbereich. Vergebliche versuchte er, eine Person zu reanimieren, bei der ein Bein abgerissen war. „Ein Kind mit einer offenen Schädelfraktur hielt seinen Vater im Arm, zusammen versuchten wir den Schwerverletzten bei Bewusstsein zu halten“, erinnert er sich mit ernster Miene. „Abgerissene Gliedmaßen lagen zwischen den Wracks, geschockte Menschen liefen schreiend über den Asphalt. Ich sah grausame Bilder. So ein Szenario möchte ich nie wieder erleben.“

„Für Rettung aus Gefahr“ ist in die kleine silberne Medaille mit filigranen Buchstaben graviert. Auf der Rückseite prangt das Niedersachsenross.

Karl Meyer und Abbenhausens Ortsbürgermeister Bernhard Kunst sind sichtlich bewegt, als sie den Orden zusammen mit der Urkunde im Auftrag des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann überreichen.

Bereits vor einem halben Jahr wurde Frank Ewerling vom Automobilclub AvD mit dem Titel „Held der Straße“ geehrt.

Ob er sich als Held fühle? Frank Ewerling verneint die Frage: „Ich habe mechanisch gehandelt in diesen Augenblicken, nur noch funktioniert. Selbst die Verantwortung für meine Kinder habe ich in dem Moment komplett ausgeblendet. Ob ich nochmal so handeln würde? Ich kann’s nicht sagen. Das alles war surreal.“

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Held der Straße des Monats Februar 2012

Frank Ewerling

Am 18. November 2011 kam es auf der A 31 in Höhe Heek zu einer der schwersten Massenkarambolagen der letzten Jahre. Insgesamt 51 Fahrzeuge und 104 Personen waren in den durch Nebel verursachten Crash involviert. Frank Ewerling aus Twistringen in Niedersachsen ist einer davon. In dieser Extremsituation bewahrt er Ruhe und leistet unter Lebensgefahr anderen Verletzten „Erste Hilfe“. Für seine außergewöhnliche Hilfeleistung in dieser Ausnahmesituation haben Goodyear und der Automobilclub von Deutschland (AvD) Frank Ewerling nun zum „Held der Straße“ des Monats Februar gekürt. Im Rahmen der Verkehrssicherheitsaktion werden das ganze Jahr über Menschen ausgezeichnet, die besonnen, mutig und selbstlos andere Verkehrsteilnehmer vor Schaden bewahrt und so für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gesorgt haben.

Frank Ewerling befährt am Abend des 18. November 2011 die A 31 in Richtung Emden. Mit ihm befinden sich seine Mutter sowie seine beiden Kinder im Auto. Zwischen den Anschlussstellen Heek und Gronau-Ochtrup kommt es wegen Nebel zu einem Auffahrunfall. Vier Fahrer erkennen die Gefahr rechtzeitig und bremsen ab. Doch 20 weitere Fahrer können die Kollision nicht mehr vermeiden. Es entsteht eine Kettenreaktion, die in einer zweiten großen Kollision weitere 25 Autos betrifft. Frank Ewerling ist mit seinem Mercedes als Siebter in die Massenkarambolage verwickelt. Geistesgegenwärtig gelingt es ihm, den Wagen in die Mitte der Fahrbahn zu ziehen und somit einen Frontalcrash zu vermeiden. „In diesem Nebel konnte man einfach nichts mehr sehen“, schildert Frank Ewerling.

In einem ersten Impuls bringt der ausgebildete Personenschützer seinen sechsjährigen Sohn, seine dreijährige Tochter und seine Mutter hinter der Leitplanke in Sicherheit. Dann setzt er einen Notruf ab und eilt den anderen verletzten Unfallopfern zu Hilfe. „Solche Bilder sieht man sonst nur in Horrorfilmen. Ich habe eine Herzdruckmassage bei jemandem gemacht, dem das rechte Bein fehlte“, erzählt Frank Ewerling. Dennoch „funktioniert“ er in diesem Moment einfach. Er schleppt Verletzte hinter die Leitplanke – bringt sie so in Sicherheit. Und dass, während immer Autos in die Unfallstelle krachen. Trümmerteile fliegen umher und die Ersthelfer selbst sind in Lebensgefahr.

Nach 18 Minuten treffen laut Frank Ewerling die ersten Rettungskräfte am Unfallort ein. Die schrecklichen Bilder wird er nicht mehr vergessen. Noch heute leidet die Familie unter diesem Ereignis. Für seinen bedingungslosen Einsatz wird Frank Ewerling jetzt als Held der Straße des Monats Februar geehrt. Neben der Auszeichnung erhält er vom Automobilpartner Hyundai, der in Deutschland zu den drei größten Importeuren zählt, vier Eintrittskarten für das Legoland sowie vom Aktionspartner Allianz ein „Sicherheitsset“. Es besteht aus einem Apple iPhone inklusive Schutzhülle, einer hochwertigen Autohalterung und einer kostenlosen Mitgliedschaft im AvD für ein Jahr, damit er auch in Zukunft sicher und jederzeit im Straßenverkehr mobil ist. Als einer der weltweit größten Autoversicherer steht die Allianz wie kein anderes Unternehmen für „Sicherheit im Straßenverkehr“.